Wohnen für junge Familien in Münster fördern – Schaffung von Wohneigentum unterstützen

Der Rat möge beschließen:

Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept für ein verbessertes Wohnangebot für jüngere Familien zu erarbeiten und hierbei auch eine verbesserte Eigentumsförderung für jüngere Familien mit einzubeziehen. Das Konzept wird dem Rat zur Beschlussfassung vorgelegt.

 

Begründung:

Die Stadt-Umland-Wanderung hat negative Auswirkungen auf Finanzen und Sozialstruktur in den abwandernden Städten sowie für deren vorzuhaltende Infrastrukturausstattung und fördert die Zersiedlung der Landschaft mit zusätzlichen Verkehrs- und Umweltproblemen. Diese Folgen der räumlichen Entwicklung, der Prozess der sozialen Segregation und die fiskalischen Probleme für die Städte durch den Verlust von Einkommensteuerzahlern werden oft beklagt. Die Stärkung des Wohneigentums in den Kernstädten ist aus steuerlichen, sozialen, städtebaulichen und siedlungsstrukturellen Gründen sehr wichtig, wenn die Abwanderung von Haushalten mittleren Einkommens in das Umland der Kernstädte gebremst und die soziale Stabilität in den Wohnquartieren erhalten werden sollen. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist es für jede Kommune wichtig, junge und bauwillige Familien mit familienfreundlichen Rahmenbedingungen zu unterstützen. Daher müssen Strategien entwickelt werden, um die Abwanderung von meist jüngeren und finanzstärkeren Familien in das Umland der Kernstädte zu bremsen.

Insbesondere sind in Münster Bevölkerungsverluste in der Altersgruppe zwischen 30 bis 44 Jahre zu verzeichnen, also in der Altersgruppe, die sich in einer Familiengründungsphase befindet, so die aktuellen Ergebnisse (Januar 2017) des Stadtentwicklungsexperten Prof. Dr. Thomas Hauff. Und das, obwohl Münster gleichzeitig sowohl bei der jüngeren als auch älteren Bevölkerung einen eindeutigen Wanderungsgewinn verzeichnet. Inzwischen ist aber entsprechender Wohnraum für Menschen, zu denen auch jungen Familien gehören, Mangelware geworden. Dies hat zur Folge, dass dadurch viele gezwungen sind, Münster zu verlassen, weil sie hier keinen bezahlbaren Wohnraum finden, auch wenn sie nach wie vor in Münster arbeiten und dadurch täglich in die Stadt pendeln müssen. Vor dem Hintergrund dieser Bevölkerungsentwicklung ist es unerlässlich, auch gerade junge bauwillige Familien in Münster zu halten. Sie dürfen nicht zu den Verlierern der wachsenden Stadt werden.

Dieses Problem haben viele Kommunen in Deutschland. Daher vergeben mittlerweile viele Städte eine kommunale Förderung für die eigenen vier Wände. Sie werden beim Hausbau mit Vergünstigungen, Zuschüssen oder Darlehen unterstützt. Über 730 Städte und Gemeinden haben ein Förderprogramm speziell für diese Zielgruppe aufgelegt:

  • Beispielsweise hat die Stadt Hamburg für (Ehe-)Paare sowie Lebensgemeinschaften, die beabsichtigen im gemeinsamen Haushalt in naher Zukunft eine eigene Familie zu gründen, eine spezielle Förderung entwickelt: das FamilienStartDarlehen. Das Darlehen ist für den Neubau oder Ersterwerb von selbstgenutztem Wohneigentum für Familien gedacht. Selbst mit wenig Eigenkapital ermöglicht die Stadt Hamburg Familien so den Bau des eigenen Hauses. Einkommensgrenzen spielen bei dieser Art der Familienförderung, im Gegensatz zur Basisförderung, zunächst keine Rolle.
  • Die Stadt Düsseldorf fördert Neubau und Ersterwerb mit 35.000 Euro + 10.000 Euro pro Kind für Familien, deren Einkommensgrenze um maximal 60 Prozent über der Einkommensgrenze für den sozialen Wohnungsbau liegt. Die Stadt Stuttgart bietet Zuschüsse für Baukosten und Zinsen. Es gelten zwar Einkommensgrenzen, die jedoch großzügiger gestaltet sind als bei der Landesbank. So kann eine 4-köpfige Familie auch noch bei einem Jahresbruttoeinkommen von 83.000 Euro auf städtische Zuschüsse hoffen.
  • Die Stadt Freiburg bietet einen auf 5 Jahre befristeten Zuschuss zu den Zinskosten oder einen einmaligen Zuschuss zur Erhöhung des Eigenkapitals.
  • Die Stadt Heilbronn fördert junge Ehepaare ohne Kinder und Familien mit mindestens einem Kind, wenn sie von der Stadt Heilbronn ein Grundstück erwerben, darauf bauen und das Objekt mindestens zehn Jahre selbst bewohnen. Die Einkommensgrenzen richten sich nach dem Landeswohnraumförderungsprogramm der Landesbank. Auch für den Kauf einer selbstgenutzten Eigentumswohnung können Zuschüsse beantragt werden.

 

Das zeigt, dass viele Kommunen inzwischen auch entsprechende Förderinstrumente für diese Bevölkerungsgruppe entwickelt haben. Für Münster gilt es die bestehenden Förderinstrumente zielgruppenscharf weiter zu entwickeln. Ziel einer sinnvollen Wohnraumförderpolitik muss es sein, neben dem Ausbau des sozialen Wohnungsbaus und genossenschaftlichen Wohnens auch Eigentum für Familien mit einem Durchschnittseinkommen zu fördern, um so verstärkt junge Familien im gesamten Stadtgebiet zu halten. Vor allem Familien mit Kindern wünschen sich eigene vier Wände.

Für Münster sehen wir ein Verbesserungspotenzial darin, die Familienförderung für den Eigenhausbau insbesondere für junge Familien insbesondere aufgrund des hohen Preisniveaus noch deutlicher auszubilden und hierfür die bestehenden Förderungsmodelle weiter zu entwickeln. Ziele dieser Förderung sind neben der Schaffung von preiswertem Wohnraum die Erhaltung der sozialen Balance und die Stärkung der gesellschaftlichen Vielfalt in den Quartieren der Stadt. Dafür soll ein Konzept entwickelt werden, wie dieses umsetzbar ist.

 

gez.                                                                                  gez.
Stefan Weber                                                                    Otto Reiners
und Fraktion                                                                      und Fraktion

 

Den Antrag finden Sie hier als PDF