Münsterland S-Bahn: Für die Menschen, die Wirtschaft und die Umwelt braucht die Region ein leistungsfähiges Schnellbahn-System.

Resolution des Rates der Stadt Münster

Nichts verdeutlicht augenfälliger den starken Zusammenhalt der Städte des Münsterlandes als der Pendlerverkehr - Allein nach Münster als dem wirtschaftlichen Zentrum strömen täglich mehr als 175.000 Menschen zur Arbeit, privat, zur Schule und zum Studium. Der Pendlerverkehr sichert den wirtschaftlichen und sozialen Austausch einer wachsenden Region.

Die überwiegende Mehrheit der Pendler benutzt den privaten PKW. Bus & Bahn können nicht einmal zwanzig Prozent des Verkehrs bewältigen - trotz erheblicher Verbesserungen durch Schnellbus, durch Regional-Express, Bus-Schiene-Verknüpfung usw. Staus und steigende Reisezeiten auf den Straßen des Münsterlandes sowie teilweise überfüllte Züge sind die Folgen. Die Mobilität sinkt, die Belastungen des Autoverkehrs für Mensch und Umwelt durch Lärm, Abgase und Unfallgefahren sind gravierend.

Um das regionale Verkehrssystem in die Zukunft zu führen, müssen neue Wege beschritten werden. Ein weiterer Ausbau der Straßen ist dabei nicht immer eine Lösung – vor allem nicht in den Innenstädten, in denen sich der Pendlerverkehr konzentriert. Der Verkehr wächst stets schneller als das Straßennetz wachsen kann, und Ausbau an einer Stelle produziert immer wieder neue Engpässe an anderen Stellen des Netzes.

Erfolg verspricht eine grundlegende Verbesserung des öffentlichen Verkehrs. Als starkes Rückgrat eines leistungsfähigen regionalen ÖPNV-Systems sind S-Bahnen notwendig. Sie bedeuten sprunghafte Steigerungen der Qualität und der Quantität des Angebotes für Reisende. Wie Beispiele aus anderen stark vernetzten Regionen zeigen, bietet ein Schnellbahnsystem die besten Vorausetzungen, um den öffentlichen Verkehr attraktiv zu machen und um den Pendlerverkehr effizient und stadtverträglich zu organisieren.

Eine gute verkehrliche Erreichbarkeit, hohe Qualität der Verkehrswege und effiziente Vernetzung der Verkehrssysteme gehören seit jeher zu den wichtigsten Standortfaktoren. Es ist deshalb eine zentrale Aufgabe der Verkehrspolitik, das Verkehrsnetz leistungsfähiger zu gestalten und in einem voll funktionsfähigen Zustand zu erhalten. Dazu gehören die Beseitigung der Engpässe, Schließung von Lücken sowie Vernetzung aller Verkehrsträger.

Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist gerade in unserer im Wettbewerb stehenden Region mehr denn je Garant für Wachstum und Beschäftigung. Denn fehlende Verbindungen im bestehenden Infrastrukturnetz können zum Teil erhebliche Auswirkungen auf die verkehrliche Erreichbarkeit haben.

Eine wesentliche Voraussetzung für eine ganzheitliche Stärkung des Verkehrssystems ist die Einrichtung und Weiterentwicklung leistungsfähiger Schnittstellen zwischen allen Verkehrsträgern. Der ÖPNV muss dabei seine Rolle als multi- und intermodaler Mobilitätsdienstleister weiterentwickelt werden, um die nahtlose Mobilität in Form einer Tür-zu-Tür-Bedienung sicherzustellen. Ein besser aufeinander abgestimmter Übergang zwischen verschiedenen Verkehrssystemen und attraktiven Haltepunkten trägt dazu bei, Zugangsbarrieren zum ÖPNV zu verringern. Hierbei gilt es, dafür Sorge zu tragen, mit baulich ausreichend dimensionierten, zentralen Halte- und Knotenpunkten einen geordneten Übergang zur Verfügung zu stellen.

Münster bietet als Oberzentrum für die Einrichtung einer S-Bahn gute Voraussetzungen:

  • Die Stadt wird aus der Region durch acht Eisenbahnstrecken erschlossen, eine neunte Verbindung soll durch Reaktivierung der Trasse der Westfälischen Landeseisenbahn hinzukommen.
  • Vier Strecken sind zweigleisig ausgebaut, fünf Strecken sind elektrifiziert.
  • Durch die Renovierung des Münsterschen Hauptbahnhofs sind die Voraussetzungen gegeben, diesen als Verknüpfungspunkt und als leistungsfähige Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs (Umstiege) für die ganze Region zu nutzen.

Ein erstes Signal für die erfolgreiche Zukunft des öffentlichen Verkehrs im gesamten Münsterland haben die Landkreise und die Stadt Münster bereits durch die Vereinbarung über die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes für die gesamte Region gegeben. Der Zweckverband Schienenpersonenverkehr Münsterland – ZVM koordiniert die Erarbeitung des Konzepts, das Land NRW fördert die Kosten mit öffentlichen Mitteln. In diesem Konzept wird eine Münsterland S-Bahn als wichtiger Baustein ausdrücklich erwähnt.

Beispiele aus anderen Regionen zeigen, dass es vor allem auf den regionalen Konsens ankommt, um ein S-Bahnsystem zu verwirklichen. Alle lokalen und regionalen Institutionen des Münsterlandes sollten sich deshalb schnell zu einer Interessengemeinschaft pro S-Bahn zusammenschließen. Vor allem, weil Bund und Land NRW als Unterstützer und Geldgeber für dieses Projekt gewonnen werden müssen.

Zur Unterstützung dieser Aktivitäten fasst der Rat der Stadt Münster folgenden Beschluss:

Um die Mobilität in der wachsenden Region des Münsterlandes sicherzustellen, um den wirtschaftlichen und sozialen Austausch zwischen den Gemeinden zu verbessern und gleichzeitig Mensch und Umwelt vor negativen Auswirkungen zunehmender Pendlerverkehre zu schützen, braucht das Münsterland einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr.

Die starken und weiter zunehmenden Verkehre zwischen Münster und der Region können nur durch ein Schnellbahnsystem bewältigt werden. Der Rat der Stadt Münster spricht sich deshalb dafür aus, eine „Münsterland S-Bahn“ zu verwirklichen. Die Stadt wird alle Anstrengungen unternehmen, um dieses wichtige Projekt für die Stadt und für die Region zu realisieren.

Der Rat der Stadt appelliert an alle verantwortlichen Institutionen in der Region, sich für die Einrichtung einer „Münsterland S-Bahn“ einzusetzen und gemeinsam gegenüber Bund und Land NRW für die schnelle Verwirklichung dieses Projektes zu werben.

Der Rat appelliert zugleich an die zuständigen Stellen bei Bund und Land, die grundlegende Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in der Region durch eine „Münsterland S-Bahn“ zu unterstützen und mit öffentlichen Mitteln zu fördern.

gez.
Stefan Weber                                                          Otto Reiners
und Fraktion                                                            und Fraktion

 

Den Resolution finden Sie hier als PDF