„Schändlich und widerlich“

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Entsetzen der CDU über Schmiererei an Flechtheim-Gedenktafel und Borchert-Theater

Mit Entsetzen hat die Rathaus-CDU auf eine weitere Schmiererei an einer Gedenktafel reagiert, die an Alfred Flechtheim erinnert, der aus einer jüdischen Getreidehändlerfamilie stammte und vom nationalsozialistischen Terrorregime Hitlers drangsaliert und vertrieben worden ist. Die Tafel in der Straße Am Mittelhafen am Gebäude des früheren Flechtheim-Speichers war in der Nacht zum Donnerstag (6. Februar) mit roter Farbe und dem Vulgärausdruck „Fuck CDU“ verschmutzt worden. Mit Farbattacken beschmutzt wurde auch das Wolfgang-Borchert-Theater im Flechtheim-Speicher. Dessen Intendantin war zuvor erfolglos bedrängt worden, eine Buchvorlesung („Demokratie und Krieg“) des CDU-Außenpolitikers Dr. Norbert Röttgen zu verhindern, zu der sein münsterscher Bundestagskollege Dr. Stefan Nacke in das Theater eingeladen hatte.

„Die öffentliche Verrohung erfährt einen neuen traurigen Höhepunkt“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Weber. Er forderte „dringend eine Mäßigung der politischen Debatte“. Helfershelfern des Schreckens dürfe kein Vorschub geleistet werden. Weber nannte die Hetze gegen einen Menschen jüdischer Herkunft und eine christlich-demokratische Partei „schändlich und widerlich“. Unmittelbar vor Bekanntwerden des Farbanschlags auf die Flechtheim-Gedenktafel und das Borchert-Theater hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende die Ausfälle linksradikaler Gruppen im Wahlkampf kritisiert und zu versöhnlichen Tönen in der politischen Mitte aufgerufen. 

Die mit roter Farbe beschmierte Inschrift der 2015 von der Stadt Münster initiierten Tafel am Wolfgang-Borchert-Theater erinnert an Alfred Flechtheim (1878 bis 1937) aus Münster als einen der bedeutendsten Förderer moderner Kunst in Deutschland: „Der Sohn des jüdischen Getreidehändlers Emil Flechtheim machte sich schon vor 1914 als Sammler der Avantgarde von van Gogh bis Picasso einen Namen. Seine Berliner Galerie bestimmte in den zwanziger Jahren die Rezeption der Kunst der klassischen Moderne und war Treffpunkt von Künstlern, Schauspielern und hauptstädtischer Prominenz. Die massiven antisemitischen Attacken gegen ihn und die von ihm vertretenen Künstler zwangen ihn 1933 zur Schließung seiner Galerie und zur Emigration nach London. Dort starb er an den Folgen eines Unfalls. Seine Ehefrau Betti, die seine Sammlerleidenschaft immer unterstützt hatte, nahm sich 1941 in Berlin angesichts ihrer drohenden Deportation das Leben.“ Der Text stammt aus der Feder des renommierten münsterschen Historikers Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer.